„Wir laden die CDU zum schulpolitischen Dialog ein“

SPD Borgentreich nimmt Stellung zu den bildungspolitischen Aussagen der CDU

Nach dem CDU-Landtagsabgeordneten Hubertus Fehring hat jetzt auch die Junge Union die Schulpolitik der neuen rot-grünen Landesregierung kritisiert. Und der CDU-Fraktionsvorsitzende im Düsseldorfer Landtag, Karl-Josef Laumann, hat kürzlich in einem Interview erklärt, dass die Schulen jetzt Ruhe bräuchten. Die SPD Borgentreich nimmt Stellung zu den Äußerungen der Unionsvertreter.

„Die CDU will den Eindruck erwecken, dass die Gemeinschaftsschule mit der Brechstange durchgesetzt werden soll“, sagt der Borgentreicher SPD-Stadtverbandsvorsitzende Jürgen Dierkes. Dabei habe Ministerpräsidentin Hannelore Kraft immer wieder betont, dass diese neue Schulform, die Haupt- und Realschule zusammen mit einem Gymnasialzweig in der Sekundarstufe I unter einem Dach vereine, nur im Einklang mit den Schülern, den Eltern und den Kommunen eingeführt werden solle.

Die SPD Borgentreich sieht in dem neuen Konzept viele Chancen, wie der Bildungsbeauftragte des SPD-Stadtverbandes, Marcel Franzmann, betont. „Für kleine Kommunen im ländlichen Raum müssen dringend neue Konzepte her, damit das weiterführende Schulangebot in seiner bisherigen Breite erhalten werden kann.“

Ein Blick auf die Schülerzahlen zeige, so Gaby Römer aus Borgholz, die sich im SPD-Kreisvorstand vorrangig um das Thema Bildung kümmert, dass auch die Borgentreicher Bördelandschule in ihrer jetzigen Form als Verbundschule aus Haupt- und Realschule langfristig alles andere als gesichert sei. „Für die Bördelandschule kann die Weiterentwicklung zur Gemeinschaftsschule die Rettung sein. Denn dann würde das Schulangebot ausgeweitet, somit die Schülerzahlen erhöht und der Schulstandort gesichert“, zeigt sich Römer überzeugt. „Von einer ‚Mammutschule’, von der Hubertus Fehring so gern spricht, kann angesichts der allgemein rückläufigen Schülerzahlen dennoch keine Rede sein.“

Marcel Franzmann bringt einen weiteren Vorteil der Gemeinschaftsschule ins Spiel: „Sie setzt auf das gemeinsame Lernen aller Schüler mindestens bis zur Klasse sechs. Dies entspricht nicht nur dem Wunsch der Mehrheit der Wähler in NRW, wie Umfragen zeigen. Auch die internationale PISA-Studie verdeutlicht, dass Länder, die auf längeres gemeinsames Lernen setzen, die besseren Ergebnisse nachweisen können.“

Nach Ansicht der Borgentreicher Sozialdemokraten ist auch die Kritik der Unionspolitiker an der geplanten Wahlmöglichkeit der Gymnasien, das Abitur nach acht oder neun Jahren anzubieten, nicht gerechtfertigt. Gaby Römer: „Den Kindern wurden mit dem so genannten G8, dem schwarz-gelben Turboabitur nach zwölf Jahren, bereits im fünften und sechsten Schuljahr Arbeitszeiten wie von Managern beschert. Nicht jedes Kind kann einem solchen Druck standhalten. Somit ist es gut, dass auch das Abitur nach neun Jahren wieder möglich sein soll.“

Die SPD Borgentreich kommt zu dem Fazit, dass ein „Stillstand“ in der Bildungspolitik keine Lösung sei. „Starres Festhalten am Bestehenden kann angesichts der vorhandenen Probleme und Herausforderungen nicht der richtige Weg sein“, betont Jürgen Dierkes. In anderen Bundesländern habe dies auch die CDU erkannt. „Die CDU-geführten Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein starten mit dem jetzt beginnenden Schuljahr mit Stadtteil- beziehungsweise Regionalschulen, die Haupt- und Realschulen, im Fall von Hamburg auch Gesamtschulen, unter einem Dach vereinen.“ Modelle, die der NRW-Gemeinschaftsschule ähnlich seien, wie Dierkes betont.

„Warum bekämpft die CDU in NRW ein Schulmodell, das sie selbst in anderen Bundesländern einführt?“, fragt der Borgentreicher SPD-Chef. „Wir laden die CDU zu einem sachlichen Dialog über die Schulpolitik ein. Verbohrte Ideologie und Scheuklappen helfen niemandem weiter.“

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