„Schwarz-Gelb wegen der Schulpolitik abgewählt“

Stellungnahme der SPD Borgentreich zu Aussagen von CDU-MdL Fehring zur NRW-Bildungspolitik

Der CDU-Landtagsabgeordnete Hubertus Fehring kritisierte vor wenigen Tagen die schulpolitischen Leitlinien der neuen rot-grünen Landesregierung als einen „Rückfall in die 70er Jahre“. Der SPD-Stadtverband Borgentreich nimmt Stellung zu den Äußerungen Fehrings.

„Schon im Wahlkampf hat Herr Fehring die schulpolitischen Ideen der SPD aufs heftigste kritisiert“, sagt der Borgentreicher SPD-Stadtverbandsvorsitzende Jürgen Dierkes. „Dabei hat er die Rechnung aber ohne die Wähler gemacht.“ Umfragen nach der Landtagswahl hätten gezeigt, dass Schwarz-Gelb in Düsseldorf vor allem wegen der Probleme in der Bildungspolitik abgewählt worden sei.

In seiner jüngsten Stellungnahme kritisierte Fehring unter anderem die geplante Wiedereinführung der Grundschulbezirke. Völlig unverständlich für die SPD Borgentreich. „Die Abschaffung der Grundschulbezirke hat den Kommunen große Fragezeichen bei der Planung der Schülerzahlen beschert, denn die Eltern konnten ihr Kind an einer x-beliebigen Grundschule in ihrer Stadt anmelden“, erklärt Gaby Römer aus Borgholz, die im SPD-Kreisvorstand für das Thema Bildung zuständig ist.

Auch Fehrings Abqualifizierung der Gemeinschaftsschule als „Mammutschule“ entbehrt nach Ansicht der Borgentreicher Sozialdemokraten jeglicher Grundlage. „Herr Fehring hat sich anscheinend weder mit dem Konzept der Gemeinschaftsschule noch mit der Entwicklung der Schülerzahlen im ländlichen Raum beschäftigt“, sagt der Bildungsbeauftragte der SPD Borgentreich, Marcel Franzmann.

„Denn sonst könnt er nicht zu einer solchen Einschätzung kommen.“ Von ‚Mammutschulen’ könne angesichts der stark rückläufigen Schülerzahlen keine Rede sein, so Franzmann. „Vielmehr kann das Konzept der Gemeinschaftsschule dafür sorgen, dass Schulstandorte im ländlichen Raum gesichert werden. Denn diese neue Schulform ermögliche die Einrichtung eines Gymnasialzweiges in der Sekundarstufe I.“

Für eine kleine Kommune wie Borgentreich könne die Gemeinschaftsschule der Garant für den Fortbestand des weiterführenden Schulangebotes sein, sind die Sozialdemokraten überzeugt. „Die Schülerzahlen zeigen, dass die Bördelandschule in ihrer jetzigen Form langfristig keineswegs gesichert ist. Die Weiterentwicklung der derzeitigen Verbundschule aus Haupt- und Realschule zu einer Gemeinschaftsschule mit Gymnasialzweig würde das weiterführende Schulangebot ausweiten, somit die Schülerzahlen erhöhen und den Schulstandort sichern, erklärt Gaby Römer.

„Von einer Mammutschule sind wir aber trotzdem weit entfernt.“ Marcel Franzmann bringt einen weiteren Vorteil der Gemeinschaftsschule ins Spiel: „Sie setzt auf das gemeinsame Lernen aller Schüler mindestens bis zur Klasse sechs. Dies entspricht nicht nur dem Wunsch der Mehrheit der Wähler in NRW, wie Umfragen zeigen. Auch die internationale PISA-Studie verdeutlicht, dass Länder, die auf längeres gemeinsames Lernen setzen, die besseren Ergebnisse nachweisen können.“

Auch die Kritik Fehrings an der geplanten Wahlmöglichkeit der Gymnasien, das Abitur nach acht oder neun Jahren anzubieten, läuft nach Ansicht der Borgentreicher Sozialdemokraten ins Leere. Gaby Römer: „Den Kindern wurden mit dem so genannten G8, dem schwarz-gelben Turboabitur nach zwölf Jahren, bereits im fünften und sechsten Schuljahr Arbeitszeiten wie die von Managern beschert. Nicht jedes Kind kann einem solchen Druck standhalten. Somit ist es gut, dass auch das Abitur nach neun Jahren wieder möglich sein soll.“

Jürgen Dierkes kommt zu dem Fazit, dass ein „Weiter so“ in der Bildungspolitik nicht möglich sei. „Die Herausforderungen des demografischen Wandels und die nach wie vor dürftigen PISA-Ergebnisse belegen dies. Herr Fehring sollte seine ideologischen Scheuklappen endlich ablegen und die Probleme im Bildungsbereich endlich zur Kenntnis nehmen“, findet der Borgentreicher SPD-Stadtverbandsvorsitzende deutliche Worte.

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