„NRW-CDU muss mit den Sandkasten-Spielchen aufhören“

„NRW braucht jetzt keine taktischen Spielchen. NRW braucht eine Schullandschaft, die die richtigen Antworten auf PISA und den demografischen Wandel gibt“: Mit Unverständnis und Kopfschütteln reagieren die Borgentreicher Sozialdemokraten auf die Ankündigung der NRW-CDU, nicht an den Gesprächen über einen Schulkonsens in Düsseldorf teilzunehmen.

„Es ist schon sehr merkwürdig“, sagt der Borgentreicher SPD-Stadtverbandsvorsitzende Jürgen Dierkes. „Jahrelang wetterte die NRW-CDU gegen die Gesamtschule und die Gemeinschaftsschule. Dann gab es eine Aussage des Generalsekretärs: ‚Mit der Gesamtschule haben wir unseren Frieden gemacht’, aber gegen die von SPD und Grünen favorisierte Gemeinschaftsschule wurde weiter zu Felde gezogen und als ‚sozialistische Einheitsschule’ abqualifiziert.“

Von der Sache her völlig unverständlich, meint Jürgen Dierkes. „Denn die Gemeinschaftsschule greift Elemente der Gesamtschule, aber auch des gegliederten Schulsystems auf, da unter ihrem Dach unterschiedliche Schulzweige eingerichtet werden können.“

„Das sahen wohl auch etliche CDU-Bürgermeister so, denn vor Ort schufen sie andere Fakten“, ergänzt der Bildungsbeauftragte der Borgentreicher SPD, Marcel Franzmann: „Es waren gerade Kommunen mit CDU-Mehrheiten wie das münsterländische Ascheberg, die das neue Modell der Gemeinschaftsschule in ihrer Stadt auf den Weg brachten.

Als die CDU in Düsseldorf merkte, dass ihre Parteifreunde im ländlichen Raum ihrem Weg nicht mehr folgten, korrigierte die Landes-CDU ihren Kurs.“ So habe CDU-Generalsekretär Wittke vor einigen Tagen erklärt, die CDU habe mit der Gesamtschule und der Gemeinschaftsschule ihren Frieden gemacht.

Auch im Kreis Höxter sei das neue Schulmodell mittlerweile angekommen, betont Marcel Franzmann. „Was die Stunde geschlagen hat, war kürzlich in der Presse zu lesen, als der Schulentwicklungsplaner Dr. Ernst Rösner seine Vorschläge für die Brakeler Schullandschaft präsentierte und ausschließlich in der Gemeinschaftsschule ein dauerhaft stabiles Modell für die Nethestadt sah.“

Daran werde deutlich: Gerade in ländlichen strukturierten Gemeinden könne die Gemeinschaftsschule vielerorts die dauerhafte Rettung des Schulstandortes sein.„Deshalb ist die jetzt erfolgte Absage der CDU an den Gesprächen zum Schulkonsens gleichermaßen überraschend wie unverständlich.“

Die Begründung, dass auch die Linke teilnehme, sei an den Haaren herbei gezogen. Es habe in Düsseldorf schon Gesprächsrunden zu anderen Themen gegeben, bei denen CDU und Linke gemeinsam am Tisch gesessen hätten.

Fazit des Bildungspolitikers: „Es ist traurig, dass die CDU ein so wichtiges Thema wie die Zukunft der Schulen und damit letztlich die Zukunft des Landes auf dem Altar parteitaktischer Spielchen opfert. NRW braucht jetzt keine Sandkastenspielchen nach dem Motto: Wenn der auch kommt, spiele ich nicht mit. NRW braucht jetzt die richtigen Weichenstellungen für ein Schulsystem, das sowohl die richtigen Antworten auf den demografischen Wandel als auch auf die dürftigen PISA-Ergebnisse gibt.“

Und Jürgen Dierkes sieht einen Schaden für die Politik insgesamt: „Der von der NRW-CDU initiierte neue Schulkrach wird das Vertrauen der Bürger in die Politik weiter erschüttern. Wenn die CDU ernsthaft an einem Schulfrieden im Land interessiert wäre, würde sie sich an den Verhandlungstisch setzen. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel der FDP. Trotz eigener Vorstellungen in der Bildungspolitik haben die Liberalen die Einladung der rot-grünen Landesregierung sofort angenommen.“

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