"Besser ein Ende mit Schrecken"

Unter diesem Motto ist am 1. Februar 2011 ein Leserbrief vom Vorstandsmitglied der Bühner SPD, Klaus Twiste, in der Neuen Westfälischen erschienen. Lesen Sie hier den Leserbrief im Wortlaut:

Zum Artikel „Siebrecht entlässt 66 Mitarbeiter“ in der NW vom 25. Januar:

Es ist für mich als Leser der Tagespresse und als Verbraucher mittlerweile unerträglich, was ich über die Zustände und Absichten der „Backstube Siebrecht“ in der Tageszeitung lese.

Da sollen Menschen zum Teil für unter sieben Euro in der Stunde arbeiten und die Gewerkschaft soll das Ganze auch noch abnicken, andernfalls wird mit Kündigung, Filialschließung und Produktionsverlagerung in ein anderes Bundesland gedroht, in dem die Mitarbeiter wahrscheinlich sowieso für weniger Geld arbeiten. Begründet wird das mit notwendiger wirtschaftlicher Neuaufstellung.

Für mich sieht das allerdings eher nach Ausbeutung der eigenen Mitarbeiter aus. Wenn ein Unternehmen Schwierigkeiten hat, dann kann das viele Gründe haben, in der Regel ist dies allerdings eher auf Fehlentscheidungen der Geschäftsleitung zurückzuführen und liegt weniger an den Mitarbeitern in der Produktion.

Die Geschäftsleitung stellt die Weichen für das Unternehmen und dazu gehört es auch, dass eine anständige tarifliche Bezahlung der produzierenden Mitarbeiter berücksichtigt wird. Für diese ihre Tätigkeit erhält die Geschäftsleitung ein stattliches Salär, welches oftmals ein Vielfaches dessen ist, was die Mitarbeiter gemäß Tarifabschluss erhalten. Wenn es dann plötzlich nicht mehr so rund läuft, dann müssen es die ausbaden, die die wenigste Verantwortung für die Misere haben.

Der Fisch stinkt am Kopf zuerst, diese alte Weisheit wird tagtäglich von Managern und Geschäftsführern bestätigt und darin sehe ich auch die vermeintlichen Schwierigkeiten bei der „Backstube Siebrecht“ begründet.

Schon allein der Zeitpunkt, zu dem die Vorhaben der „Backstube“ an die Öffentlichkeit gelangen, lässt unternehmerische Weitsicht und Cleverness in höchstem Maße vermissen. Gerade jetzt, wo ganz Deutschland über gesunde und fair produzierte Lebensmittel diskutiert, wo das Fernsehen über die Gier von Finanzhaien und Managern berichtet und wo das ganze Land vom Aufschwung redet, just zu diesem Zeitpunkt stöhnt der Geschäftsführer der „Backstube Siebrecht“, Herr Karsten Jarick, seine angeblich notwendigen Entlassungen oder Lohnkürzungen, Filialschließungen und Produktionsverlagerungen heraus und versucht öffentlichen Druck gegen Gewerkschaft und Mitarbeiter zu erzeugen. Das allein spricht schon für sich, aber nicht für ihn.

Auch wenn es für die betroffenen Mitarbeiter erst einmal bitter ist, aber besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Wir Verbraucher sollten es so machen wie Herr Jarick von Firma Siebrecht, nämlich ebenfalls unsere Konsequenzen ziehen, denn zum Glück gibt es noch genügend wirkliche Backstuben und Bäckereien die uns mit frischen Backwaren versorgen und nicht mit Backwerk, welches erst durch mehrere Bundesländer gekarrt, nach stundenlanger Lkw-Fahrt in die Regale der Backfilialen gelangt und die ihre Mitarbeiter anständig behandeln und bezahlen.

Es ist an der Zeit, dass die Solidarität in unsere Gesellschaft zurückkehrt und das sehe ich als Verbraucher, als Bürger auch aus eigenem Nutzen.

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