Alkohol geht alle an

„Wir haben ein Alkoholproblem in Kreis Höxter“, sagt Gilbert Schulte von der Polizei Höxter. Gemeinsam mit Burkhard Albers von der Suchtvorbeugung im Caritas-Beratungszentrum Brakel zieht der Kriminalbeamte deshalb seit einigen Monaten durch die Städte des Kreises, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen.

So waren die beiden auf Einladung der Juso-AG Warburg/Borgentreich und der SPD-Fraktion im Borgentreicher Stadtrat jetzt auch zu Gast in der Bördestadt. Das Vor-Ort-Gespräch im Katholischen Pfarrheim stand unter dem Titel: „Die Jugendlichen im Kreis Höxter und ihr Trinkverhalten: Gibt es Grund zur Sorge?“. Schnell wurde klar, dass die Frage mit „ja“ beantwortet werden muss.

Denn Albers präsentierte zunächst eine wissenschaftliche Befragung unter Jugendlichen im Kreis Höxter. Die Studie wurde vor einem Jahr veröffentlicht und brachte einige ernüchternde Fakten zu Tage. „Es gibt einen Trend in Deutschland. Danach trinken Jugendliche auf dem Land 1,3 mal so viel Alkohol wie Jugendliche in der Stadt.

Im Kreis Höxter liegt der Wert deutlich höher: wir haben es mit einem Wert von 1,9 zu tun. Es wird hier also fast doppelt so viel Alkohol wie in der Stadt getrunken“, erklärte Albers. Und es sei keineswegs so, dass Alkohol nur in randständigen Familien, die beispielsweise einen Migrationshintergrund haben oder Hartz IV beziehen, ein Problem sei. Albers: „Die Studie belegt: Jugendliche aus Familien mit höherem Einkommen trinken sogar mehr Alkohol als Jugendliche aus Familien mit geringem Einkommen. Denn sie haben mehr Geld zur Verfügung.“

Das Einstiegsalter liege bei Mädchen bei 13,4 Jahren, bei Jungen bereits bei 13,1 Jahren, führte der Diplom-Pädagoge weiter aus. Dabei sei das Biertrinken in der Öffentlichkeit erst mit 16 erlaubt. Gilbert Schulte wies darauf hin, dass der frühe Konsum von Drogen eine hohe Suchtgefahr beinhaltet: „Jedes Jahr, mit dem Jugendliche später anfangen zu trinken oder zu rauchen, schützt sie davor, süchtig zu werden.“

Auch auf die zahlreichen anderen Wirkungen von Alkohol ging Schulte ausführlich ein. So lösten bereits geringe Mengen ein enthemmendes Verhalten aus. „Mit Alkohol lassen Sie sich zu Dingen hinreißen, die Sie nüchtern niemals machen würden“, wandte sich der Polizist direkt an die Anwesenden. Albers erklärte, dass dieser Punkt bei betrunkenen Jugendlichen zum Beispiel durch wesentlich häufigere Verwicklungen in Schlägereien oder riskantes sexuelles Verhalten zum Ausdruck komme.

In der sich anschließenden Diskussion waren sich die beiden Referenten und die Gäste einig, dass es viel zu kurz gesprungen sei, ausschließlich die Jugendlichen für ihr Trinkverhalten an den Pranger zu stellen. „Ich möchte eine Lanze für unsere Jugendlichen brechen“, betonte der Borgentreicher Bezirkspolizist Georg Schulze. „Eine entscheidende Rolle spielt das Umfeld.“

Dies sei ebenfalls ein Ergebnis der Studie, wie die Referenten unterstrichen. So würden die Jugendlichen in Vereinen häufig früh an Alkohol herangeführt. Überhaupt gebe es im Kreis Höxter eine „Alkoholkultur“ mit vielen sozial akzeptierten Trinkgelegenheiten, einer hohen Verfügbarkeit alkoholischer Getränke und einer großen Sorglosigkeit im Umgang mit Alkohol.

„Allerdings sind die Verwaltungen nicht untätig“, unterstrich der Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Borgentreich, Rolf Husemann. „Wir sind für die Kontrolle und Überwachung zuständig, aber wir kümmern uns auch um die Prävention.“ Schulte und Albers betonten, dass auch auf Kreisebene gehandelt werde. Es seien Arbeitsgruppen gebildet worden, die das Ziel verfolgen, den problematischen Umgang mit Alkohol zu bekämpfen und auf das Thema aufmerksam zu machen. „Denn vielen ist das Problem noch gar nicht bewusst.“

Sucht- und Drogenberatung:
In Borgentreich gibt es seit einigen Wochen eine offene Sprechstunde für alle Betroffenen und Angehörigen im Rathaus. Die Beratungen werden von Katrin Blome von der Sucht- und Drogenberatung des Beratungszentrums Brakel durchgeführt. In der Zeit von 16 bis 18 Uhr ist sie im Raum 7 zu sprechen. Die Beratungen sind kostenlos. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen gibt es außerdem im Caritas-Beratungszentrum Brakel,  Tel. 05272/3714-60. 

Um die Befragung zum Trinkverhalten der Jugendlichen im Kreis Höxter und die Handlungsempfehlungen zu lesen, müssen Sie auf die PDF-Dateien klicken:

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